imgp0127Ich bin entjungfert. Jetzt bin ich wirklich Zeremonienmeister. Bevor ich über Potsdams Wolken ein schwules Paar um ihr JA bitte, führte ich bei Freunden eine Zeremonie durch. Es war ein besonderes Vergnügen für mich, weil mir diese Freunde sehr am Herzen liegen und sie ein außergewöhnlich tolles und fantastisch harmonierendes Paar sind. Da lässt sich auch die FREUDE nicht lange bitten.
Der Wunsch meiner Freunde war es, dass ich das Zeremoniell wie zufällig erscheinen lasse. Ohne großen Aufhebens, damit bloß keiner denken könnte, dass sie sich einen großen Auftritt gewünscht hätten. Aber da haben sie Rechnung ohne Herrn Freude gemacht. Denn, so dachte ich, ein Zeremoniell, dem die Gäste gar nicht anständig folgen können und das unaufällig sein soll, passt einfach nicht zu meinen großartigen Freunden. Natürlich wollte ich nichts durchführen, was sie gar nicht wollen, aber die Motivation, eine kleine Zeremonie zu bevorzugen, lag nur darin begründet, dass sie eben nicht wollten, dass die Gäste denken, dass sie sich in den Vordergrund spielen wollen. Aber, wenn ich ihnen eine Überraschung mache, wird das in Ordnung sein, dachte ich.
Und so bat ich die Gäste nach Sektempfang und Kuchen auf die Seite des Tanzraumes zu gehen, während das Hochzeitspaar noch davon abgehalten wurde. Ich forderte die Gäste auf, sich jeder schnell eine Bierbank aus dem Garten zu schnappen und sie im Tanzraum so aufzustellen, ähnlich wie in einer Kirche, also in zwei Blöcken mit Mittelgang. Das werde ich in Zukunft etwas besser organisieren, denn es wurde doch ein bisserl chaotischer, als ich es mir vorgestellt hatte.

img_3345-21Schließlich stand alles wie es sollte, die Musik schwoll auf Kommando an und eine wunderbare Sängerin, die außerdem noch die Cousine der Braut war, sang in glockenklarer, ausgebildeter Stimme ein sehr berührendes Lied, während das Jubelpaar in den Gang schritt.
So soll es sein. Ich finde, insbesondere der Braut gehört einfach ein Auftritt! Dann begann ich damit, dass ich mich in aller Form entschuldigte, weil ich dem Wunsch nach einer unauffälligen und kleinen Zeremonie leider nicht nachkommen könne, weil sie nun mal in höchst erfreulichem Maße auffällig und Groß-Artig seien. Die Rede im Ganzen werde ich hier jetzt nicht widergeben, ich hatte aber den Anspruch, das Paar und die Gäste sowohl zum Lachen wie auch zum Weinen zu bringen, was mir doch ganz ordentlich gelang, auch wenn ich natürlich Details gefunden habe, die verbesserungswürdig waren. Den Trauspruch werde ich in Zukunft auch noch etwas gefühlvoller präsentieren, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und, was viel wichtiger ist, das Brautpaar war sehr glücklich und berührt und auch die Gäste kamen danach scharenweise auf mich zu und bedankten sich ausgelassen für die Rede. Ein Onkel hatte das Ganze gefilmt, so dass ich es vielleicht noch einstellen werde.
Während des umjubelten Kusses sang wieder die Cousine, diesmal einen schönen Gospel.
Was diese Hochzeit auszeichnete war die Freude, die Wahrhaftigkeit, das Unprätentiöse, die Ausgelassenheit und die ausschließlich schönen Beiträge, die ich koordinieren durfte.

img_3474-21Ein gleichermaßen unaufwändiger wie effektvoller Beitrag war mir neu. Freunde reichten nach dem Essen kleine Pappkärtchen rum, vielleicht so groß wie bei einem kleinen Memoryspiel und baten die Gäste, jeweils den gegenüberliegenden Gast zu zeichnen und mit Namen zu versehen. Ging ganz schnell, die Portraits höchst unterschiedlicher Qualität wurden wieder eingesammelt, auf eine Leinwand geklebt und fertig war eine Spitzen-Erinnerung.
Auch toll war ein Beitrag des Bräutigams und des Brautvaters, die einen Film darüber gedreht haben, wie der Bräutigam um die Hand der Tochter bittet und fiese Prüfungen bestehen muss. Sehr lustig und später auch sehr rührend, weil der knallharte Brautvater auch noch fragt, wie gut er überhaupt seine Tochter kennen würde. Ähnlich wie in der wunderbaren Welt der Amelie tauchten lauter kleine Dinge in schnellen Schnitten auf, die die Braut besonders und auch nicht so mag. Neben diskreten Hinweisen auf leicht phobisches Verhalten, sahen wir sie tanzend, Ski-fahrend, sahen Zitronen, deren Duft sie sehr mag. Am Ende tauchte das Wort LIEBE als große Installation auf. Sehr schön und mit hohem Rührungsfaktor! Der Bräutigam musste dabei am Vorabend noch mit allen Regeln der Kunst davon überzeugt werden, den Film in großer Runde zu zeigen, was ihm zunächst etwas unangenehm war, weil er nun mal der Hauptdarsteller war. Aber, manchmal muss man zu seinem Glück ein wenig hingeschubst werden. Es war ein Riesenerfolg!
img_3396-211Anschließend folgte eine Spitzenparty. Dabei werde ich eine spontane Aktion nie vergessen. Der DJ hatte auf eine fragwürdige Anweisung
die Musik ausgemacht, weil die Mitternachtssuppe in den Startlöchern stand. Dies fand den Protest all derer, die gerade auf der Tanzfläche waren. Merkwürdigerweise blieb der DJ kurz stur, was dazu führte, dass die Braut rhytmisch aufstampfte. Meine Frau und ich stiegen ein und schon hatten wir einen Beat. Eine Freundin griff sich einen Löffel und ein Glas, der Bruder des Bräutigams pfiff virtuos und schließlich hatten wir ein phantastisches Perkussion-Stück, das sich einfach verselbstständigte. Wir machten das so lange, bis der DJ gar nicht anders konnte, als wieder die Musik anzuschmeißen. Unter großen Johlen brachten wir die Tanzfläche zum Glühen. Sehr gut! So ging es bis zum Morgengrauen, bis wir in erschöpfter Freude unsere Betten aufsuchten. Ein äußerst gelungenes Fest. Vielen Dank Svenja, vielen Dank Jens!